Ketamin – Download Infofolder

Mögliche Wirkungen
Ketamin löst ein Gefühl der Trennung zwischen dir oder deiner „Psyche“ und deinem Körper oder der Umgebung aus. Du fühlst zum Beispiel keine Grenze mehr zwischen dir und deiner Umgebung oder fühlst dich von dir selbst, deinem Körper und der Umwelt abgespalten und losgelöst. Manche UserInnen berichten von außerkörperlichen Erfahrungen, etwa einem Schweben über dem eigenen Körper, einem Leichtigkeitsgefühl und – aufgrund der Narkosewirkung – von eingeschränkter Bewegungsfreiheit.
Die wahrgenommenen Halluzinationen und veränderten Sinneserfahrungen – Geschmack- und Geruchsinn sind stark reduziert, Musik wird verzerrt wahrgenommen, Schmerzen verschwinden – unterscheiden sich von den Erfahrungen, die unter LSD oder Pilzen erlebt werden können. Im Ketaminrausch erscheinen häufiger „dunkle Visionen“ wie Tunnel-Bilder und Nah-Todeserfahrungen.
Kommunikation erweist sich unter Ketamineinfluss als schwierig, die Emotionen werden nur noch sehr „flach“ wahrgenommen, Gedanken reißen ab, der „rote Faden“ in Gedanken und Gesprächen geht verloren. Ketamin-KonsumentInnen berichten gleichlautend, dass sie von den Wirkungen auch dann überrascht waren, wenn sie genau wussten, was sie einnehmen würden und welche Wirkungen sie zu erwarten hätten. PCP-Empfindungen sind noch komplexer und schwieriger zu beschreiben.

 

Negative Effekte
Bereits in geringen Dosierungen wirkt Ketamin halluzinogen. Die Halluzinationen können erschreckender und schwerer zu kontrollieren sein als LSD-Effekte – Ketamin ist psychisch also sehr belastend und löst häufiger große Angst und paranoide Zustände aus. Die Mehrzahl der Ketamin-KonsumentInnen weiß von Albtraum-Halluzinationen, Tunnel-Visionen, Blackouts und kurzen Phasen von Gedächtnisverlust zu erzählen.
Im körperlichen Bereich kann Ketaminkonsum zu Nystagmus (ein unwillkürliches Zittern des Augapfels), Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, zu einem unkoordinierten Ablauf von Muskelbewegungen (Ataxie), zu Schwindel, verwaschener Sprache, zu erhöhtem Puls und Blutdruck sowie lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen führen. Hohe Dosen können Muskelsteifheit, Lähmungserscheinungen, tiefen Schlaf und Narkose bewirken, sehr hohe Dosen epileptische Anfälle und Koma. Die Gefahren einer Atemlähmung erhöhen sich dramatisch bei Mischkonsum mit Alkohol und anderen Downern. Das Herunterkommen von Ketamin ist im allgemeinen durch ein starkes, lang anhaltendes Schwächegefühl, Unsicherheit und Erschöpfung gekennzeichnet.
Ketamin macht schmerzunempfindlich, beeinträchtigt das Zeitempfinden und das Gedächtnis. Diese Effekte machen es schwer, angemessen auf Ereignisse zu reagieren und erhöhen dadurch die Gefahr von Unfällen und Verletzungen. Diese Beschreibungen zeigen klar, dass Ketamin keine Party-Droge ist – vermutlich würde es dir schwer fallen einen Fuß vor den anderen zu setzen und irgendwann würdest du dich in eine Ecke verkriechen und dich darüber wundern, dass dein Körper gewichtlos ist, du dich nicht bewegen kannst, dich übel fühlst, Teile deines Körpers zu wachsen oder zu schrumpfen beginnen und sich dabei anfühlen als wären sie aus Holz oder Plastik.

 

Wirkmechanismus
In der Medizin wird Ketamin über intravenöse (i.v.) Injektion verabreicht. Die Halbwertszeit – also jene Zeit die verstreicht bis noch 50% der injizierten Menge in ihrer wirksamen Struktur im Organismus vorhanden ist – beträgt 10-15 Minuten. Im Gehirn bewirken sowohl Ketamin als auch PCP eine Blockade einer Gruppe von Glutamatrezeptoren. Dieser Prozess löst das Gefühl des Losgelöstseins aus. PCP erzeugt zudem kurzfristig eine höhere Dopaminkonzentration und eine Stimulierung einer Klasse von Opiatrezeptoren. PCP wirkt also an verschiedenen Rezeptoren an unterschiedlichen Gebieten im Gehirn, löst damit sehr unterschiedliche und schwer steuerbare Wahrnehmungen und Stimmungen aus und erschwert in Notfällen die Versorgung und Behandlung von PCP-UserInnen.
Ketamin wird in der Leber umgewandelt und über die Nieren ausgeschieden.

Die Dosierung der Substanz wird vor allem über die Einnahmeform bestimmt, der Eintritt der Wirkung und die Intensität der Effekte wiederum von Menge und Einnahmeform. Wird flüssiges Ketamin getrunken, kommt es häufig zu Übelkeit und Erbrechen – die ersten Effekte treten nach ungefähr 15-20 Minuten ein. Bei nasalem Konsum sind die Wirkungen nach etwa 5 Minuten zu verspüren, bei intramuskulärem Konsum nach 2-5 Minuten, nach intravenösem Konsum schon nach wenigen Sekunden. Je nach konsumierter Menge und Einnahmeform dauern die Ketamin-Effekte zwischen 30 Minuten und 3 Stunden an.

 

Mögliche Langzeitfolgen
Dissoziative Anästhetika lösen schon in geringen Dosen Funktionsstörungen in Gebieten des Gehirns aus, die für Gedächtnis, Lernen und Wahrnehmung verantwortlich sind. Je öfter diese Substanzen konsumiert werden und je größer die einzelnen Dosen sind, desto bedenklicher werden die Funktionsstörungen. Manche LangzeituserInnen leiden unter neurologischen Störungen und Beeinträchtigungen des Gedächtnisses. Die Wahrscheinlichkeit, auf Ketamin oder PCP hängen zu bleiben, ist größer als bei LSD oder magic mushrooms, auch psychische Erkrankungen werden häufiger ausgelöst.

Dissoziative Anästhetika können psychisch abhängig machen, chronischer Gebrauch kann zu depressiven Verstimmungen und Ängstlichkeit führen.

 

Konsumiere nie bei…
Als Narkosemittel belasten Ketamin und PCP das Herz-Kreislaufsystem. Bei Herzproblemen oder Bluthochdruck sollte auf die Einnahme dieser Substanzen verzichtet werden. Auf keinen Fall solltest du dissoziative Anästhetika konsumieren, wenn du dich unruhig oder ängstlich fühlst, Probleme hast oder an einer psychischen Erkrankung wie Depression leidest. Ketamin und PCP erreichen die Plazenta und gelangen in die Muttermilch. Während einer Schwangerschaft und in der Stillphase ist auf diese Substanzen unbedingt zu verzichten.

 

Mischkonsum

  • Ketamin & Downer Gesundheitlich besonders bedenklich sind Kombinationen von Ketamin und Alkohol sowie von Ketamin und anderen Downern – wie Heroin oder GHB. Diese Formen des Mischkonsums können zu Ohnmacht, Atemdepressionen und Atemstillstand, in Extremfällen zum Tod führen.

 

Risk reduction
Wenn du Ketamin trotz gesundheitlicher Gefahren konsumierst, solltest du – neben den allgemeinen Hinweisen – über folgende Punkte Bescheid wissen:

  • Die Halluzinationen, die Ketamin und PCP auslösen, können intensiver und erschreckender sein als LSD-Halluzinationen. Wenn du dich unsicher fühlst, solltest du auf den Konsum dissoziativer Anästhetika unbedingt verzichten.
  • Ketamin sollte niemals alleine eingenommen werden.
  • Wird Ketamin in Tablettenform geschluckt, können die ersten Effekte zeitlich verzögert eintreten. Also nicht nachwerfen!
  • Um den Effekten nicht gänzlich ausgeliefert zu sein, sollten diese Substanzen nur in reizarmen Umgebungen, mit vertrauensvollen FreundInnen eingenommen werden. Und zumindest eineR dieser FreundInnen sollte nüchtern bleiben, um in gefährlichen Situationen angemessen helfen zu können.
  • Um das Unfallrisiko gering zu halten, solltest du diese Substanzen nur in sitzender oder liegender Haltung konsumieren. Du könntest zusammensacken oder in Ohnmacht fallen.
  • Versuche dich unter dem Einfluss dissoziativer Anästhetika möglichst wenig zu bewegen. Durch die Schmerzunempfindlichkeit und den Verlust einiger Reflexe sind die Gefahren einer Verletzung höher. Da du keine Schmerzen verspürst, kannst du die Schwere der Verletzung nur schwer einschätzen.
  • Auf Ketamin meinst du vielleicht, Dinge tun zu können, die du sonst nicht tun kannst. Versuche dir in Erinnerung zu rufen, ob auch dein Körper dazu in der Lage ist.
  • Mischkonsum, insbesondere mit Downern wie Alkohol, erhöht das Risiko einer Atemlähmung und eines Herzanfalls.
  • Wenn du merkst, dass FreundInnen – wissentlich ode unwissentlich – Ketamin konsumiert haben könnten und es ihnen nicht gut geht, begleite sie nach Hause oder zumindest an einen ruhigen Platz ohne Musik und grellen Lichtern. Bleib bei ihnen und beruhige sie. Wenn sie ohnmächtig werden oder Atembeschwerden haben, bring sie in die „stabile Seitenlage“ und verständige umgehend die Rettung. Sollten sie einschlafen, beobachte unbedingt die Atmung. Wenn die Atmung flacher wird oder deine FreundInnen nicht mehr weckbar sind – Rettung rufen.

 

Chemisches
Die Halluzinogene Ketamin (Special K, K, Vitamin K) und Phencyclidin (PCP, angel dust) werden zu den dissoziativen Anästhetika gezählt. Anästhetika sind Narkosemittel, die schmerzunempfindlich und bewusstlos machen.
Dissoziativ bedeutet in diesem Fall eine Loslösung von Körper und Umgebung. Dissoziative Anästhetika entspannen also einerseits den Körper, machen ihn schmerzunempfindlicher und schlaff und lösen andererseits Empfindungen wie eine Trennung vom eigenen Körper sowie andere Halluzinationen aus.
Ketamin und PCP werden meist als weißes, kristallines Pulver, mit einem charakteristischen Geruch, nasal oder oral und als Tabletten oral eingenommen, in der Form von Kristallen („rocks“) geraucht und als Flüssigkeit injiziert. Für medizinische Zwecke wird Ketamin in flüssiger Form in kleinen Ampullen aufbewahrt und per Injektion verabreicht.

 

Geschichte
Ketamin und das strukturell verwandte Phencyclidin (PCP) wurden ursprünglich als Anästhetika unter den Namen Sernyl®, Ketalar®, Ketanest® und Ketaset® vermarktet und in der Medizin als Betäubungsmittel eingesetzt. Seitdem jedoch bekannt ist, dass viele mit diesen Mitteln betäubte PatientInnen nach dem Aufwachen unter Halluzinationen und Delirien leiden, werden diese sogenannten dissoziativen Anästhetika in der Humanmedizin sehr selten und nur in Kombination mit Halluzinationen unterdrückenden Benzodiazepinen (z.B. Valium®) eingesetzt.
In der Tiermedizin findet Ketamin unter den Bezeichnungen Kanactan®, Ketaminol®, Ketanarkon®, Ketasol®, Ketavet® oder Narketan® häufiger Verwendung – ein Umstand, der die für Ketamin umgangssprachliche Bezeichnung „Pferdenarkosemittel“ erklären sollte. Als psychoaktive Substanz sollte PCP unter dem Namen „Angel Dust“, Ketamin als „Special K“, „Vitamin K“ oder schlicht „K“ bekannt werden.

 

Das Gesetz
Ketamin ist ein Arzneimittel und unterliegt daher dem Arzneimittelgesetz, allerdings wird es aufgrund seiner chemischen Struktur für KonsumentInnen nach dem NPSG behandelt. Das Arzneimittelgesetz verbietet die unzulässige Weitergabe und den Vertrieb von Medikamenten. PCP unterliegt dem Suchtmittelgesetz. Insbesondere ist der Erwerb, der Besitz, die Erzeugung, die Ein- und Ausfuhr und die Überlassung an und Verschaffung für andere (Weitergabe, Verkauf) gerichtlich strafbar und kann Geld- oder Freiheitsstrafen nach sich ziehen.