Chemsex

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Chemsex ist ein Begriff, der in der homosexuellen Szene im Zuge der Nutzung von Dating Apps (wie zB. gay.de, Grindr) entstanden ist. Er beschreibt den Konsum psychoaktiver Substanzen in Kombination mit Sex. Die Substanzen werden dabei als Chems bezeichnet und in der Regel kurz vor oder beim Sex konsumiert. Dabei steht zumeist das Bedürfnis nach gesteigerter sexueller Intensität und Enthemmtheit aber auch rein körperliche Leistungs-steigerung im Vordergrund.

Neben Alkohol, Cannabis und Poppers, die im Zusammenhang mit Sex konsumiert werden, spielen bei Chemsex folgende Substanzen eine Rolle:

  • Methamphetamin (Crystal, Crystal Meth, Tina, Meth)
  • Mephedron (Meph, Drone)
  • Gammahydroxybutyrate / Gammabutyrolactone (GHB/GBL, Liquid, G, Gina)

Da die Chems – wie andere illegale Drogen auch – auf dem Schwarzmarkt erworben werden, ist in der Regel unklar, welche Wirkstoffe wirklich enthalten sind, wie hoch die Dosierung ist, oder ob die Substanzen mit Streckmitteln versetzt wurden. Dadurch besteht immer das Risiko von unerwünschten Nebenwirkungen.

Wie wirken die Chems eigentlich?

Hier ist nur eine Kurzübersicht möglich. Auf www.checkyourdrugs.at findest Du detaillierte Informationen zu Chems, sowie darüber, wie Du die Risiken des Konsums reduzieren kannst. Je nach Substanz werden Chems nasal, oral, aber auch intravenös („slamming“) konsumiert.

Methamphetamin: Methamphetamin wirkt schon in geringer Dosierung stark leistungssteigernd und stimulierend. Die Wirkdauer liegt dosisabhängig bei ca. 6-30 Stunden und ist meistens geprägt von extremer Wachheit. Es kann außerdem zu Euphorie, gesteigertem Lustempfinden und Enthemmung kommen. Zudem werden Bedürfnisse wie Trinken, Essen und Schlafen unterdrückt. Negative Effekte hängen häufig mit der (oft unterschätzten) langen Wirkdauer zusammen und können Reizbarkeit, Aggressionen, Angstgefühle (Paranoia), Wahnvorstellungen und depressive Zustände sein. Prinzipiell gilt: je häufiger der Konsum und je höher die Dosis, desto stärker sind die unerwünschten Nebenwirkungen. Methamphetamin besitzt ein sehr hohes psychisches Abhängigkeitspotenzial.

Mephedron / MMC: Mephedron wirkt stimulierend und euphorisierend (Euphorie = Hochgefühl). Die Wirkdauer liegt dosisabhängig bei ca. 1 – 5 Stunden. KonsumentInnen berichten von Gefühlen geistiger Klarheit und erhöhter Leistungsfähigkeit, sowie  einem Verbundenheitsgefühl mit anderen Menschen. Bedürfnisse wie Trinken, Essen und Schlaf werden unterdrückt. Negative Effekte können eine als unangenehm empfundene Hyperaktivität sowie hoher Puls und Blutdruck sein. Bei höheren Dosen kann es zu Wahnvorstellungen und Paranoia kommen. Auch von Erinnerungslücken wird immer wieder berichtet. MMC verursacht einen starken Drang nachzulegen (Craving). Es gibt bisher keine gesicherten Erkenntnisse zur Toxizität (Giftigkeit) der Substanz.

GHB / GBL: Abhängig von der Dosierung wirken GHB und GBL entweder euphorisierend und enthemmend oder als Schlafmittel. Durch unbekannte Konzentration und Reinheit lässt sich die Dosis kaum abschätzen, was bei GHB/GBL besonders riskant sein kann. In niedrigen Dosen von circa 0,5 – 1,5g dominiert der alkoholähnliche Effekt. Es wirkt dann angstlösend, leicht euphorisierend und sozial öffnend. In höheren Dosierungen bis circa 2,5g kann eine sexuell stimulierende Wirkung hinzukommen. In noch höheren Dosen wirkt GHB stark einschläfernd und betäubend. Die Wirkdauer beträgt in der Regel 1,5 bis 3 Stunden. Negative Effekte können Koordinationsstörungen, Schwindel und eingeschränkte kognitive Leistungsfähigkeit sein. GHB/GBL-Überdosierungen (d.h. Dosierungen, die zu einer unerwünschten Narkose führen) können im ungünstigsten Fall zu einer Atemdepression und einem möglichen Atemstillstand führen. Dies ist besonders dann möglich wenn zusätzlich zentral dämpfende Substanzen wie Schlafmittel, Opioide aber auch Alkohol konsumiert werden, da hierbei schon eine geringe Dosis GHB/GBL zu einem komaähnlichen Schlaf führen kann. Bei regelmäßigem Konsum kann eine körperliche Abhängigkeit entstehen. Deshalb sollte ein Entzug unbedingt unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, da es zu schweren Komplikationen kommen kann!

 

Was sind die Risiken von Chemsex?

Neben den genannten Risiken, die der Konsum der Chems mit sich bringt, besteht ein erhöhtes Risiko für sexuell übertragbare Krankheiten wie HIV, Hepatitis sowie andere Infektion (wie z.B. Tripper, Syphilis oder Chlamydien). Das hat verschiedene Gründe: Unter dem Einfluss von Chems kann es leichter passieren, dass man ungeschützten Geschlechtsverkehr hat. Die enthemmende Wirkung kann auch zum Ausprobieren von ungewohnten & riskanteren Praktiken führen. Der Sex ist oft länger was leichter zu Verletzungen (z.B. im Analbereich) führen kann.

Falls die Substanzen geslammt (d.h. gespritzt) werden, und dafür gemeinsame Utensilien verwendet werden („needle sharing“), kann auch das zur Übertragung von Krankheiten führen (HIV, Hepatitis, etc.).

Auch die Wechselwirkungen der Chems miteinander oder mit anderen Substanzen sind riskant. Die kombinierte Wirkung lässt sich oft nicht genau abschätzen, und manche Kombinationen sind besonders gefährlich. Das betrifft zum Beispiel GHB/GBL und Alkohol. Da beide Substanzen im Gehirn an den GABA-Rezeptoren wirken, kommt es zu einem potenzierenden Effekt und es kann zu einer Atemdepression führen, die lebensgefährlich sein kann.

 

Und wenn ich bereits HIV- oder Hepatitis-Medikamente nehme?

Die Kombination von HIV- oder Hepatitis-Medikamenten mit Chems oder anderen psychoaktiven Substanzen kann problematisch sein. Es besteht die Möglichkeit, dass die Wirkung der Chems verlängert oder verstärkt wird. Es kann aber auch sein, dass die Wirkung des HIV- oder Hepatitis-Medikaments beeinflusst wird (z.B. stärkere Nebenwirkungen). Manche Kombinationen führen auch zu einer Abschwächung der Medikamenten-wirkung.

Ein weiteres Risiko stellen die im Rahmen von Chemsex-Parties oft verwendeten Potenzmittel dar. Sowohl Chems (bzw. psychoaktive Substanzen) als auch Medikamente können in Kombination mit Potenzmitteln zu Blutdruckabfall bis hin zu Ohnmacht und Herzstillstand führen. Bei der Kombination aus Poppers und Potenzmitteln z.B. ist dieses Risiko besonders hoch.

Weitere Informationen zur Kombination von HIV-/Hepatitis-Medikamenten & Chems findest Du hier:

http://www.hiv-drogen.de/wechselwirkungen

 

Risk Reduction

  • Der Ort der Einnahme und Personen, die bei dir sind, beeinflussen die Wirkung der Substanz. Negative Stimmungen können verstärkt werden. Konsumiere daher nur in einer für dich angenehmen Atmosphäre, wenn du dich gut fühlst und vertrauensvolle Freunde in deiner Nähe sind.
  • Achte auf Safer Sex. Kläre dieses wenn möglich vorher mit den anderen ab.
  • Nimm zu entsprechenden Parties genügend Kondome und Gleitgel (und bei Bedarf Handschuhe) mit.
  • Falls Du slammst, benutze nur Deine eigenen, sterilen Nadeln, Spritzen und Löffel.
  • Lass Dich regelmäßig auf HIV, Hepatitis und andere sexuell übertragbaren Krankheiten testen z.B. bei der Aidshilfe (www.aidshilfen.at)
  • Falls Du ungeschützten Verkehr hattest, oder Dich nicht erinnern kannst und Dir nicht sicher bist, dann solltest Du Dich schnellstmöglich um eine PEP (Post- Expositions-prophylaxe) kümmern (z.B. bei der HIV Ambulanz im AKH Wien).
  • Ohne eine chemische Analyse lässt sich leider keine Aussage darüber treffen, wie hoch dosiert Substanzen sind. Nutze daher wenn möglich die Angebote von checkit. Sollte das nicht möglich sein, teste Deine Substanz(en) vorsichtig an (d.h. bei möglichst geringer Dosis, die ganze Wirkung abwarten).